Der FastTrack Scripting Host – eine Alternative zur PowerShell?

Per Zufall bin ich vor einiger Zeit auf ein Werkzeug mit dem vielversprechenden Namen FastTrack Scripting Host (die aktuelle Version ist 6.3) von FastTrack Software gestoßen, das eine Alternative zur PowerShell in einigen Bereichen sein könnte. Weitere Infos gibt es unter http://www.fasttrackscript.com/. Es gibt dort auch eine 45-Tage-Testversion.

Der FastScriptingHost-Script-Editor

Der FastScriptingHost-Script-Editor

Der FastTrack Scripting Host möchte jene Administratoren ansprechen, die keine Programmierer werden wollen, um mit dem Windows Scripting Host, aber auch mit der PowerShell zum Ziel kommen. Ich stelle in meinen PowerShell-Kursen immer wieder fest, dass die PowerShell für manche Menschen einfach zu speziell ist und manche Dinge mit der PowerShell leider viel zu technisch gelöst werden müssen. Spontan fallen mir ein:

>Anlegen einer Freigabe (am besten man ruft Net Share auf)

>Abfragen, ob der aktuelle Benutzer Administrator ist (warum gibt es dafür kein Cmdlet?)

>Setzen von Datei- und Verzeichnisberechtigungen

>Abfragen, ob ein „Item“ in einem Verzeichnis eine Datei oder ein Verzeichnis ist

>Besitzer eines Prozesses, Startmodus eines Dienstes (geht beides nur per WMI)

>ActiveDirectory-Zugriffe (mit den Cmdlets sehr einfach, mit [ADSI] recht umständlich und vor allem inkonsistent)

Die Liste ließe sich sicher noch ein wenig fortsetzen. Vor allem die typischen Logjn-Aktivitäten (z.B. Netzwerklaufwerk verbinden) sind mit der PowerShell unnötig umständlich. Warum muss ich für das Herstellen einer Netzwerklaufwerkverbindung ein COM-Objekt benutzen, warum gibt es kein Connect-Networkdrive-Cmdlet? Natürlich kann es sich in ein paar Minuten definieren, für jemand, der mit der PowerShell ganz am Anfang steht, klingt das eventuell nicht sehr attraktiv.

Ein Bereich, in dem die PowerShell zunächst gar nichts zu bieten hat, ist das Anzeigen von frei definierbaren Dialogboxen. Selbst das Anzeigen einer Messagebox erfordert den Aufruf einer .NET Framework-Funktion. Gäbe es nicht Primal Forms, das mir vor allem in Gestalt von Primal Forms 2009 sehr gut gefällt, wäre das für viele eine unlösbare Aufgabe.

Der FastTrack Scripting Host wählt einen anderen Ansatz, indem es für alle Aktivitäten einen Befehl zur Verfügung stellt. Das Motto heißt hier „Eine Aktion – ein Befehl“. Hier ein paar harmlose Beispiele.

Ein

ConnectShare M:, \\PMServer\TestDaten

verbindet ein Netzwerklaufwerk. Ein

If UserIsAdmin Then
ConnectShare M:, \\PMServer\AdminDaten
End If

stellt die Verbindung nur her, wenn der User Admin ist. Ein

If UserIsMemberOf Vertrieb Then ConnectShare M:, \\VertriebsDaten

nur, wenn der User Mitglied einer bestimmten Gruppe im AD ist.

Auch Dialoge mit einer Mehrfachauswahl werden mit einem Befehl aufgerufen. Ein

MultiInput Neuen Benutzer anlegen, Username|Benutzername,Vorname,Nachname, Kennwort

zeigt ein Dialogfenster mit vier Eingabefeldern an. Die Werte werden über gleichnamige Variablen zur Verfügung gestellt.

Der umfangreiche Befehlssatz adressiert praktisch alles, was sich im Adminalltag vorstellen kann. Vom Registry-Zugriff über das Verpacken von Dateien in Zip-Archiven, über den HTTP- und XML-Zugriff bis zu Befehlen, die die Bildschirmauflösung setzen oder eine WMI-Abfrage ausführen. Insgesamt stehen mehrere Hundert Befehle zur Verfügung.

Am Ende wird ein Skript in eine Exe-Datei übersetzt, die überall ausgeführt werden kann (ohne dass der FastTrack Scripting Host vorhanden sein muss). Kennwörter werden verschlüsselt im Skripttext abgelegt (ein weiterer kleiner Schwachpunkt der PowerShell).

Natürlich besitzt der FastTrack Scripting Host auch seine „Besonderheiten“:

>Die Hilfe ist etwas dünn (aber ausreichend)

>Der Befehlssatz ist nicht erweiterbar.

>Es gibt offenbar noch keine User-Community (im Forum ist noch relativ wenig bis gar nichts los).

Die größte „Besonderheit“ ist jedoch die etwas ungewöhnliche Lizenzpolitik. Der FastTrack Scripting Host kostet laut Webseite des Herstellers zwar nur 18 US$, allerdings „per Seat“, also für jeden Computer, auf dem ein Skript ausführen soll.

Damit kommt das Werkzeug wohl nur für größere Unternehmen in Frage, die damit z.B. ihre Rollouts von Windows 7 oder Office 2010 automatisieren wollen.

Trotzdem ist der  FastTrack Scripting Host ein interessanter Ansatz, der deutlich macht, dass es abseits von der PowerShell und dem Windows Scripting Host einen Bedarf für ein mächtiges, aber trotzdem einfach zu benutzendes Scripting-Werkzeug gibt.

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2 Antworten zu “Der FastTrack Scripting Host – eine Alternative zur PowerShell?

  1. Pingback: Windows PowerShell Transparent machen oder Optisch auffrischen?

    • Tobias Weltner hat mit seinem PowerShellPlus das Konsolenfenster aufgebohrt und einige nette Erweiterungen eingebaut. Transparante Fenster sind sicher nicht dabei – darauf stehen Admins auch nicht unbedingt;)

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